Do 25 Mai 2006
Von Projektstrukturen und Konzernstrukturen zur nächsten Generation: Kybernetische Strukturen
Posted by andreas.mertens under Bücher, IT, Kybernetik, PileSystems
[4] Comments
Tja, Projekte haben ja etwas Gutes. Losgelöst von der stark hierarchischen Struktur in einer Organisation, kann man in einer im Konzern eingebetten Projektstruktur sehr sehr effizient und effektiv arbeiten. Eigentlich laufen ja die meisten Unternehmungen in einem Konzern so ab. Die Vorteile einer Projektstruktur liegen auf der Hand: hierarchiefrei, dadurch schnelle Entscheidungsfindung und direkte Kommunikationswege von Jedem zu Jedem. Projekte kommen so zu schnelleren und besserern Ergebnissen als Unternehmungen mit starken hierarchischen Strukturen – deshalb implementiert man ja eben solche Projektstrukturen in großen Organisationen.

Was mir nur zunehmend auffällt sind die Probleme, die auftreten, wenn ein Projekt dem Ende zugeht. Konkret heisst dies, das die Projektstrukturen zum Teil wieder aufgelöst werden müssen. Das Projekt samt Strukturen wird assimiliert. Insbesondere bei IT-Projekten lässt sich hier oft gegen Ende des Projektes beobachten, das die Geschäftsprozesse des Konzerns nach und nach auf das Projekt übertragen werden müssen: ITIL, Incident- und Problem-Management-Prozesse, Change-Management-Prozesse usw. Je mehr beteiligte Einheiten, wie z.B. interne IT-Abteilung, externe Systemintegratoren und Dienstleister, Fachabteilungen desto komplizierter. Nicht selten endet dies in einer wahren Schlacht von Excellisten. Da wird ein und der selbe Fehler in 4 verschiedenen Excellisten gepflegt (einmal in der Excelliste der Fachabteilung, einmal in der Liste der internen IT-Abteilung, einmal in der offiziellen “Fehlertracking-Liste” nach Standard-Konzern-Prozess, einmal ….. ). Jeder in seiner eigenen persönlichen Excelliste, die der eigenen persönlichen Struktur entspricht und man ist tagelang damit beschäftigt, jene Excel-Listen zu synchronisieren.
Tja, so ist das eben! Eine super Lösung dafür habe ich noch nicht gefunden. Vielleicht wird es aber auch Zeit sich grundlegend über Organisationsstrukturen Gedanken zu machen? Würden große Organisationen auch ohne Standardprozesse funktionieren? Oder gar hierarchiefrei? Wenn ja, wie? Und wäre dies im Interesse heutiger Führungskräfte, Unternehmer, Vorstän
de? Fragen über Fragen. Vielleicht sollten wir aber auch klein anfangen. Ein Vordenker solcher völlig anderen Strukturen war Stafford Beer, der Management-Kybernetiker. Stafford Beer beschreibt in seinem Buch Beyond Dispute wie man anhand dreidimensionaler Körper, wie z.B. den Ikosaeder, Gruppen mit bis zu 30 Menschen und 12 Themen kybernetisch strukturieren kann. Die geschieht vollkommen hierarchiefrei. Das Buch beschreibt den dafür notwendigen organisatorischen Prozess für den Wissensaustausch. Mathematischen zeigt er auf, das nach drei Itterationsschritten dieses Prozesses bis zu 90% der Informationen ausgetauscht wurden. Das Ganze ist so vielversprechend, sodass es bereits als Produkt Syntegration® vom Malik Management Zentrum St. Gallen vermarktet wird. Ähnlich de
r Walt-Disney-Strategie, in der es drei Rollen gibt (Träumer, Realist, Kritiker) gibt es hier die Rollen “Bearbeiter”, “Kritiker” und “Beobachter”. Inspiriert wurde Stafford Beer damals von hyperstabilen Dreiecksstrukturen, die der Architekt Buckminster Fuller für seine Domes verwendet hatte. Aber zurück zur Ikosaeder-Struktur, welche auf 30 Teilnehmer und 12 Themen beschränkt ist. Vor einiger Zeit hatte ich die Idee, diese Struktur so zu erweitern, das sie auf größere Organisationen als Ganzes anwendbar wird. Dabei denke ich an einem dreidimensionalen Raum, in dem sich mehrere Ikosaeder befinden. Durch das hinzufügen einer weiteren Dimension, und zwar der Zeit und der Bewegung der Ikosaeder im Raum müsste es eigentlich machbar sein, das die Ikosaeder im Raum fliegen und sich von Zeit zu Zeit “treffen”. Über sogenannte
Kontaktpunkte der einzelnen Ikosaederstrukturen könnte dann das “Wissen1 fließen”. Eigentlich müsste man diese Idee wirklich weiterspinnen !!!! Außerdem müsste man die Rolle von Pile evaluieren. Als ich kürzlich Ralf’s Papier “A Journey Into The Pile Universe” (Seite 45) las, war ich ganz überrascht darüber das ein PileSpace mit seinen Relationen nichts anderes als Dreiecksstrukturen speichert !!!! Eine Pile-Relation, hier die Relation AB=(A,B) bildet nichts anderes als eine Dreiecksstruktur ab. Der gerichtete Pfeil zwischen A und AB bezeichnet einen sog. “normativen Parent”. Die Verbindung mit dem Punkt zwichen AB und B beschreibt einen sog. “assoziativen Parent”. Leider weiss ich noch nicht wofür das gut ist. Bisher habe ich folgendes verstanden: Wenn wir einen Text ‘ABCDEFG’ hätten und diesen sequentiell von einer PileEngine assimilieren lassen würden, dann würde die Relation AB für die sog. Terminalvalues A und B bzw. Tops entstehen. Sowas, für was kategorisiert man eigentlich? Jetzt ist dieser Artikel doch in den Kategorien IT, Bücher, Kybernetik und PileSystems gelandet. Kann es wohlmöglich sein, das kybernetisch alles mit allem irgendwie verbunden ist ? :-)


Mai 28th, 2006 at 12:31
Organisationsstrukturen durch Ikosaeder zu repräsentieren, erscheint mir nicht ganz einleuchtend.
Sicherlich ist der Ikosaeder der dafür am besten geeignete Platonische Körper, aber die Randbedingungen der Euklidischen Geometrie (Winkelsumme 360°, gleiche geodäsische Entfernungen zwischen den Ecken) gelten nicht für die Modellierung von Netzwerken und Organisationsstrukturen.
Hier ist es vielmehr so, dass es fast immer eine Verteilung des Grades der Vernetzung (Degree) geben wird und die Zahl fünf des Ikosaeders spielt dabei keine ausgezeichnete Rolle.
Das Weiterspinnen des Grundgedankens des optimalen Kommunikationsaufbaus und des damit (hoffentlich) verbundenen Wissenstransfers führt zum Themengebiet der Organizationl Network Analysis (ONA) oder allgemeiner zur Social Network Analysis (SNA), mit welchem ich mich in jüngerer Vergangenheit etwas ausgiebiger beschäftige.
Auch ich habe mich beim ersten Lesen über Pile direkt gefragt, ob es hier mögliche Verbindungen gibt, bin aber bislang noch zu keinem Schluss gekommen.
Mai 28th, 2006 at 20:50
Zunächst, so denke ich, müsste man den Grundgedanken des “optimalen Kommunikationsaufbaus” etwas “festzurren”. Dafür sollte man die Ziele festlegen, welche die Organisationsstruktur erfüllen soll, die man wählen möchte. Solche können sein:
(1) Kontrollierbarkeit
(2) Hoher Vernetzungsgrad
(3) Geringer Vernetzungsgrad
(4) Anzahl der Themen/Organisationseinheiten
(5) Dynamische oder feste Anzahl der Organisationseinheiten
(6) Anzahl der beteiligten Personen, dynamische oder feste Anzahl der Personen
(7) Machtgefüge, demokratisch, hierarchiefrei, …
Bei Team Syntegrity von Stafford Beer kam es auf die folgenden Ziele an:
(1) Hierarchiefreiheit des Verfahrens
(2) Alle Teilnehmer sind gleicherechtig
(3) Schneller Informationsfluss und Entscheidungsfindung (hier nach 3 Prozessitterationen)
Dabei ist die Ikosaederstruktur nicht als einfacher Graph zu verstehen, indem die Knoten (Eckpunkte) Personen darstellen und die Kanten die Relationen der Personen untereinander. Bei Team Syntegrity sind die Knoten Themen und die Kanten Personen. Dabei darf die eigentliche Ikosaederstruktur nicht als “einfacher Graph” mit seinem Vernetzungsgrad betrachtet werden, wie etwa mit dem lokalen und globalen Clusteringkoeffizienten. Neben dem Ikosaeder als “Grundstruktur ” besteht Team Syntegrity aus einer Prozessbeschreibung, wie die Personen zu welchen Zeitpunkten miteinander interagieren. Durch eine Art “rollierendes System” sind die Personen auch mit den anderen Themen involviert (Dadurch wird quasi ein höherer Vernetzungsgrad erreicht). Somit wird anhand des Ikosaeders nicht nur eine graphentheoretische Organisationsstruktur beschrieben. Der Ikosaeder wird auch verwendet, um einen Prozess zu beschreiben. Ich selbst habe das Verfahren in kleineren Gruppen mit weniger als 30 Teilnehmern anhand der Oktaeder- und Tetraederstrukturen für die Moderation und Bearbeitung komplexer Themen angewandt und bin von den Ergebnissen nach wie vor begreistert. Die Ikosaederstruktur mit dem dahinterliegenden Prozess (wichtig) ist eine sehr effiziente Möglichkeit, um strukturiert Informationen zwischen allen Beteiligten fießen zu lassen (hierarchiefrei, gleichberechtigt). Um die Idee von Beer weiterzuspinnen und um diese Idee auf mehr als 30 Personen anwenden zu können, war meine Idee einen “Ikoseader als Cluster” zu sehen, der sich im Raum bewegt. Von Zeit zu Zeit docken die Ikosaeder aneinander an, um die Informationen von “Ikosaeder-Cluster” an “Ikosaeder-Cluster” zu “übertragen”. Ganz sicher müsste man hier noch einiges an Entwicklungsarbeit reinstecken. Natürlich bräuchte man auch erst einmal eine Organisation die sich soetwas traut (!)
März 1st, 2011 at 00:07
Außer.den Auftrag gegeben, den Blog für Suchmaschinen zu optimieren? tätig in der Richtung?
März 1st, 2011 at 11:18
ja.