gestern, am 31.07.2006, gegen 5:30 Uhr in der Früh stieg ich aus dem Bett, um mit dem ICE 818 um 6:32 Uhr von Wiesbaden in Richtung Köln/Bonn-Flughafen zu fahren. Mit dem Taxi runter zu dem überschaubaren Kopfbahnhof von Wiesbaden mit 12 Gleisen. Da stand ich nun am Gleis Nummer 9 und durch die Lautsprecher trällerte die Durchsage “Aufgrund einer Störung verspätet sich der ICE 818 um 30 bis 45 Minuten”. Gelassen sagte ich zu mir:

“Kein Problem, Du bist ja Kybernetiker und utilisierst das jetzt, es hat schon seinen Sinn. Mal schauen wo das hinsteuert – Außerdem komme ich mit 30 Minuten ICE-Verspätung ja genau pünktlich, ich wäre sonst eine halbe Stunde zu früh gewesen”.

Also holte ich erst einmal noch einen schwarzen Tee nach und setzte mich gemütlich im Bahnhof in eines der Bistros ganz in der Nähe des Gleises Nummer 9. Meine Wahrnehmung geschärft, ganz gespannt, wozu diese Verspätungssache gut ist, voller Erwartungen dachte ich vielleicht das ich “zu-fällig” einer interessanten Person begegnen werde. Aber erstmal geschah in dieser Richtung nichts. Etwas Abseits im Bistro saß zwar eine Dame, die scheinbar ebenfalls von der ICE-Verspätung betroffen wahr, eine Konversation entwickelte sich aber nicht. Nagut dachte ich, was nicht ist kann ja noch werden, ich habe ja noch 30 bis 45 Minuten Hotspot Wiesbaden hauptbahnhofZeit, die mir die Bahn schenkt. Genüßlich meinen Tee heißen Tee trinkend klappte ich den Laptop auf, um meine E-Mails zu bearbeiten. Die Suche nach einem Hotspot verblieb am Wiesbadener Hauptbahnof vergeblich. Um so schöner im Central in Wiesbaden, in dem ich gerade sitze. Es ist mit zwei WLAN-Hotspots ausgestattet (unglaublich, das Geschäft brummt bei den Jungs, aber einen Internetauftritt haben die Jungs noch nicht). Bei dieser Gelegenheit möchte ich aber den Betreiber der Telefonanlage am Wiesbadener Hauptbahnhof darauf hinweisen, dass sein WLAN-Routers Sinus 1054 DSL völligst ungeschützt ist und das man sich mit dem Default-Login direkt einloggen kann (Die allererste Seite verrät einem sogar das Default-Login-Passwort). Wie witzig eigentlich, gestern war ich auf dem Weg zu einer IT-Security-Veranstaltung. Altes Spiel: Benutzerfreundlichkeit vs. Sicherheit. Nach 20 Minuten meldete sich ein Hauch von Unbewußtem. Irgendwas hatte sich, versunken in dem Hotspot auf der Suche nach einem Weg ins Internet, um mich herum verändert. Die Dame mit dem gleichen ICE-Schicksal saß nicht mehr abseits von mir (!). Ein kürzer Blick auf die Uhr verriet, das gerade einmal 20 Minuten verstrichen waren. Trotz allem, ein kurzer Blick um die Ecke Richtung Gleis Nummer 9 offenbarte es: Da waren sie, die Rücklichter meines ICEs 818. Aus 30 bis 45 Minuten Verspätung wurden 20 Minuten Verspätung. Hmm, das habe ich nun von meiner Vertiefung am Rechner. Gab es eine Durchsage, das der ICE kürzlich bereitstand !?!? Ich war unsicher, da ich mich ja schließlich in einer leichten “Laptop-Trance” befand. Oha, da und plötzlich, ein Signal, ein Mann fragt mich: “War das der 818er?”. Ich : “Ich befürchte, ja”. Er: “Klasse, ich habe gar keine Durchsage gehört”. Sollte das der Kontakt sein, der sich aus der Verspätung ergibt? Aber auch zwischen uns ergab sich keine besondere Konservation, außer dem Ärger, der sich nun auch leicht bei mir bemerkbar machte. Naja, wir teilten uns den Ärger :-) Nun gut, dachte ich mir, dann steuere ich nun mal auf dem Informationsschalter zu, um zum Einen meinen aufkommenden Ärger über die Bahn Luft zu machen und zum Anderen, um eine alternative Verbindung zu erkunden. Internet via WLAN-Hotspot ist in der Landeshauptstadt von Hessen ja (noch) nicht zu haben. Als ich auf den armen Bahnbeamten verbal einschlug und als Feedback ein Achsel- und Schulternzucken wahrnahm, bemerkte ich das ich nicht der Einzige war, der wegen Gleis 9 ICE 818 verbal auf den armen Kerl einschlug. Sofort zog ich mich zurück und ich erkannte die trivialisierte Maschine: Vermutlich waren die Standardprozesse der Bahn dran schuld …..

Aber auch diese Situation meisterte ich, indem ich die Wartezeit weiter utilisierte und schließlich mit einer Verspätung von knapp einer Stunde dann zu der Security-Veranstaltung hinzustieß…..

Und was ist Sinn dieser Geschicht? Ich denke noch drüber nach. Jetzt will ich aber erstmal den Laptop zuklappen und das Central verlassen. Ich wollte doch noch einkaufen …. Ups schon 14:48 Uhr …..

…. Ich bin wieder da, Einkauf erledigt …. Also, ich habe drei Ideen, was mir die Geschichte zeigen könnte:

  1. Möglichkeit Nummer Eins: Montags früh aufstehen bringt nichts, da ich meinen “Regelzug” für Montags erwischt habe um 08:32 statt den ICE um 06:32 Uhr :-)
  2. Möglichkeit Nummer Zwei: Durch meine “zu hohen” Erwartungen an das zu utilisierende Zufalls-Ereigniss aus der Situation heraus, welches ich mir gewünscht habe, ist es nicht eingetreten. Zu Deutsch: Erwarte nicht zu viel, lass es einfach in die Richtung laufen, einfach “stärker” fließen, ….
  3. Möglichkeit Nummer Drei: Es passiert noch etwas aufgrund dieses Ereignisses? Vielleicht eine Antwort auf diesen Blog-Artikel?