MusterbrecherJetzt liegt es bei mir auf dem Tisch! Das Buch Muster brecher von Hans A. Wüthrich, Dirk Osmetz und Stefan Kaduk. Wie bereits angekündigt, war es ja bereits “ge-tagged“.  Die Autoren zeigen in ihrem Buch sieben traditionelle Führungsmuster auf (die “sieben Glorreichen”). U.a. geht es um Muster wie Standardisierung und das Kontrollparadigma. Diese Führungsmuster hinterfragen sie. Im lockerem Sprachstil schildern sie die Schicksale der “glorreichen Sieben” Führungsstile. Wenn ich Standardisierung und Kontrolle als Beispiele nehme, dann sehe ich im Gedankengut der drei Autoren Anhänger des Konstruktivismus, der Kybernetik und systemischer Managementansätze. Aufgelockert wird die Lektüre anhand realer Geschichten, z.B. von Klaus Kobjoll und wie er von dem Kontrollparadigma zum Vertrauen in seine Mitarbeiter kam. Themen wie Selbstorganisation werden nicht kompliziert und theoretisch dargestellt, sondern durch Beispiele wie das Orpheus Chamber Orchestra ohne Dirigent oder die Geschichte von Andreas Glemser, Inhaber von COCOM IN Training & Coaching, welcher ohne E-Mail und Handy mit seiner Familie drei Monate durch Südafrika, Australien, Tahiti, Las Vegas, San Francisco tourte und die Firma seinen Mitarbeitern überlies. Das Thema Selbstorganisation und Vertrauen, kann wirklich “Berge” versetzen.

Dazu vielleicht kurz ein persönlicher Ausschweif, um die im Buch geschilderten Erfahrungen zu bestätigen. In 2004 arbeiteten Sedat und ich als Trainer und Coaches im Outplacement-Bereich. Es ging darum eine Gruppe von ca. 15 gestandenen Frauen und Männern aus dem Bereich Telekommunikation wieder in den Job zu bringen. Ich errinnere mich heute noch an die Gesichter die mich als Trainer anschauten als ich eine Trainingsphase mit folgendem Muster-Bruch begann: “Was wir uns in den nächsten 2 Wochen anschauen, wird nächstes Jahr auf dem IT-Markt möglicherweise keine Relevanz mehr haben”. Auf die Frage, warum wir uns dieser Thematik überhaupt nähern antwortete ich, das es ja gar nicht um den stofflichen Inhalt ginge, sondern darum, zu schauen, wie man in 2 Wochen ein solch komplexes Gebiet erarbeiten kann, damit man in diesem Gewässer sicher schwimmen kann. Es ging mir schlicht um das Lernen lernen – ich nannte es damals auch “Schwimmen lernen”. Nach einem fast 5 monatigen Training und Coaching kam die große Herausforderung für die Teilnehmer. In nur wenigen Wochen sollten die 15 Teilnehmer in 2 Gruppen je ein Projekt abwickeln, inklusive eines funktionsfähigen Software-Prototypes. Am Tag X stellten wir drei Projekte zu Auswahl bereit. Eines war anspruchsvoller als das Nächste. Das war dann unsere Prüfung als Trainer. Würden die Teilnehmer die Projekte zum Erfolg bringen? Wenn ja, dann hätten wir es geschafft, aus in einem Konzern über Jahre hinweg trivialisierten und konditionierten Menschen, eine Transformation angestoßen zu haben, die den Coachies hilft, wieder Fuß zu fassen im Wirtschaftsleben und Projekte selbst zu organisieren und erfolgreich abzuwickeln. Wenn nein, eine schlechte Note für uns. Die erste Rea4th Dimension Machine (c) 2004-2006 4th Arcanumktion auf unseren Projektanforderungen waren aus den schockierten Gesichtern zu lesen. Aussagen wie “Mann müsse dazu ja Germanistik, Soziologie oder Mathematik studiert haben” waren die Einwände und das man in den 5 Monaten doch etwas ganz Anderes gemacht hätte. Natürlich haben sie das, sie haben in den 5 Monaten nichts anderes als Lernen lernen gelernt. Wie gesagt, das war die Prüfung für uns Trainer. Wir hatten mittlerweile jedoch so ein gutes persönliches Verhältniss zu jedem Teilnehmer aufgebaut, das sie aus dem Verrauen, was wir Ihnen schenkten, merkten das wir als Trainer an sie glauben und das Sie in der Tat Berge versetzen können. Außerdem sagten wir den Gruppen 2 Tage Coaching und Betreuung pro Woche zu. Die Projekte starteten und was ich dann beobachten konnte war unglaublich: Selbstorganisation vom Feinsten. Ich musste gar nichts mehr tun außer zuzuschauen. Und beide Gruppen brachten ihr Projekt zum vollen Erfolg. Ein Projekt war die 4th Dimension Maschine über die ich im Artikel “Vom Web-Floaten zum Samadhi-Tank oder Floating-Tank” bereits schrieb. Das andere Projekt war eine Webanwendung die Assoziationen speicherte und Informationen aus Assoziationsschleifen ermittelte. Bei solch einer Selbstorganisation bekomme ich immer wieder Gänsehaut, wenn ich die Emergenz darin erkenne. Gut, das als kurzen Ausschweif zum Thema Selbstorganisation. Zurück zum Buch ….

Gänsehaut bekam ich dann auch im Kapitel ”Muster des Musterbruchs”, als ich die Schilderung der persönlichen Erfahrungen von Andreas Harbig von PA-Consult über den 11. September las …

Insgesamt ein zu empfehlendes Werk für alle, die aus den alltäglichen Trivialisierungs-Mustern ausbrechen möchten und sich schon immer gefragt haben, was mach ich hier eigentlich für einen Quatsch :-) Natürlich auch eine interessante Lektüre für alle die sich sowieso schon mit Dingen wie Selbstorganisation, Beobachtung 2. Ordnung, Komplexität, Kontrolle usw. beschäftigen.