So 27 Aug 2006
Wirklichkeit und Realität
Posted by andreas.mertens under LawsOfForm, Wahrnehmung und Kognition, Psychologie, NLP
[2] Comments
In seinem Beitrag “Die Auswahl an Auswahl” schreibt Sedat, das Gedanken immer etwas be-wirken und diese nicht mehr ent-denkt werden können, also irreversibel sind und seine Wirkung haben. In diesem Sinne bestimmt sich ein Individuum durch seine eigenen Gedanken sowie “der Brücke” zwischen Gedanken und Handeln. Ich kann vieles Denken aber nicht unbedingt “umsetzen”, indem ich handle. So kann ein Profiler Greultaten denken und ein Täter kann Greultaten denken. Der Unterschied liegt auf der Hand: der Täter setzt sie leider in Handlungen um. In diesem Artikel möchte ich unterscheiden zwischen den eigenen Gedanken und eigene Gedanken die in Handlungen münden. Ich möchte also Unterscheiden zwischen Gedanken/Kognition und dem was man tut. Ich spreche oft von Wirklichkeitskonstruktionen und möchte, um den Unteschied zu markieren, von kognitiver
Wirklichkeitskonstruktion und physischer Wirklichkeit sprechen. Häufig erlebe ich in persönlichen Gesprächen durch den Gebrauch des Wortes Realität oder durch die Aussage “ich bin Realist” eine Objektivität, die für mich eine Absolutheit vortäuscht, der ich als Konstruktivist mit subjektiver Sichweise nicht zustimmen kann. Deshalb versuche ich das Wort Realität zu vermeiden und spreche lieber von Wirklichkeiten in den die jeweiligen Individuen wirken können.
Zurück zur Unterscheidung “kognitiver Wirklichkeit” und “physischer Wirklichkeit”. Zwischen dem was ich denke und dem was ich tue gibt es also einen Unterschied, man denke an Greultaten, Täter und Profiler. Auf der einen Seite ist es gut, dass sich nicht alle Gedanken in der physischen Wirklichkeit manifestieren. Auf der anderen Seite schränkt es uns aber auch allzuoft ein. Denke ich an “Persönliche Entwicklung”, “Veränderungsarbeit”, “Selbständig machen”, … dann höre ich oft “man könnte”, “man sollte” und an Umsetzung mangelt es, statt dessen wird unglaublich viel Energie aufgewendet um Entschuldigungen, Kritik, Ausreden und Gründe zu finden, warum man dies oder jenes doch nicht tun sollte. Dabei sind dies genau die Grenzen an denen wir wachsen. Ein Stück weit die Gedankengrenze überschreiten und tun, obwohl “irgendein innerer Rratio” wieder eine Entschuldigung oder Ausrede gefunden hat. Schön finde ich im Zusammenhang auch die Aussage “Der ist ein Macher”. Oft ist das Gute so nah und trotzdem traut man sich nicht – AHA – kommt hier evtl. auch mangelndes Selbst-Bewusstsein zu Tage, welches der “innere Ratio” nutzt, um keinen Macher entstehen zu lassen, sondern ein Lamm zu erhalten? Diese Frage beantwortet sich am Besten jeder selbst.
Das Sehen-Lernen, Hören-Lernen, Riechen-Lernen, Fühlen-Lernen und Schmecken-Lernen meiner eigenen Wirklichkeitskonstruktionen und der Wirklichkeitskonstruktionen anderer spielt eine besondere Rolle in meiner persönlichen Entwicklung. Schreibt man die (Objektivität) in Klammern wie Maturana und hat man ersteinmal einen Zugang zum Konstruktivismus bekommen dann ist eine Tomate nicht mehr eine Tomate, sondern die Tomate des Betrachters, dann stellt sich die Frage “Wie konstruiere ich meine Wirklichkeit” (meine Tomate). Als Informatiker und Kybernetiker habe ich dann sehr bald Parallelen gefunden zwischen Begriffen wie Modell, Modellbildung, Modellierung und Wirklichkeitskonstruktionen, Sprache, Kognition. Informatiker beispielsweise versuchen mit entsprechenden Modellierungsmethoden eine beobachtete Wirklichkeit als Modell abzubilden, bevor Sie eine Software entwickeln. Z.B. mit UML, der Unified Modelling Language. Der “über den Tellerrand schauende” Informatiker bemerkt schnell, dass hier mit UML eine Wirklichkeit nicht hinreichend abgebildet werden kann. Denn: fehlen dem UML-Modellierer oder dem Analytiker die sprachlichen Fertigkeiten, um die richtigen Fragen zu stellen, dann wird an der Wirklichkeit des Kunden mit UML “vorbeimodelliert”. Eine weitere wesentliche Rolle in meiner persönlichen Entwicklung geht deshalb aus der Entdeckung und Auseinandersetzung mit Veränderungsarbeit in der Theraphie hervor. Hier wurden Fragetechniken entwickelt, um die Wirklichkeit des Gegenübers zu explorieren. Ganz besondere
Bedeutung haben dabei die Arbeiten Milton Erickson‘s, Virgina Satir, John Grinder, Richard Bandler, Fritz Perls, Gregory Bateson. Besonders beeindruckt haben mich u.a. die Werke Metasprache und Psychotherapie (Struktur der Magie I), Kommunikation und Veränderung (Struktur der Magie II) sowie zur eignen Wirklichkeitskonstruktion bzw. Wirklichkeitsmodellierung das Buch Veränderung des subjektiven Erlebens. Aus diesen Werken entstand das sogenannte Milton-Modell, welches Therapeuthen u.a. dazu befähigt, in der Oberflächenstruktur der Sprache des Gegenübers Verallgemeinerungen, Tilgungen und Verzerrungen zu hinterfragen und um damit Details der dahinterliegenden Erfahrungen zu elizitieren. Linguisten sprechen von der Tiefenstruktur. Letzteres Buch verschafft eine gute Übersicht über die Möglichkeiten zur feinen Modellierung eigener Wirklichkeitskonstruktionen durch Anwendung der sog. NLP-Submodalitäten in den VAKOG-Repräsentationssystemen. Sehr interessant sind selbstverständlich auch die Weiterentwicklungen des NLP. Erst kürzlich habe ich das Dokument Welt-Entwurf durch Sprache von Dr. Rudolf Kaehr durch Sprache unter http://www.thinkartlab.com/ entdeckt (Polykontexturale Logik).
Ich kann mir dabei nicht verkneifen, davor zu warnen, dass die Lektüren über “Konstruktivismus-Tools” im positiven Sinne süchtig machen und beim Umsetzen und Ausprobieren einen Schub in der persönlichen Veränderungsarbeit auslösen, mit kybernetischer Nachhaltigkeit :-) Seit dem verbinde ich Dinge mehr denn je miteinander …

Februar 12th, 2007 at 11:01
Hallo Andreas, die Gedankengänge sind sehr interessant. Leider stört die schwache Rechtschreibung (hier besonders ‘daß’ vs. ‘das’) die inhaltliche Aufarbeitung unnötig. Ich möchte Dich sehr höflich und freundlich um ein bisschen mehr ‘Lieferqualität’ bitten. Ich danke Dir herzlich! H.S.
Februar 13th, 2007 at 15:40
Lieber Harald,
vielen Dank für den Hinweis. Ich habe den Artikel überarbeitet und mich für “dass” anstatt für “daß” entschieden. Und siehe da, es sind einige “dass” hinzugekommen. Ich hoffe, ich habe keins übersehen. Tja, die Sache mit der Konjunktion und dem Relativpronomen. Ich arbeite daran. Übrigens auch ein Grund, warum ich mit dem “Blogschreiben” angefangen habe!
Auf der Suche nach “das”, “dass” und “daß” bin ich übrigens auf folgende Seite gestoßen:
http://www.kas-wenden.de/nexercise/Deutsch/Regeln/das_oder_dass/DASDASS.HTM
Beste Grüße,
Andreas