GeldIT-Projekte sind bekannt dafür, dass sie gegen die Wand fahren, das doppelte bis dreifache kosten und wenn Sie überhaupt jemals erfolgreich enden, dann Jahre nach dem ursprünglich geplanten Projektende.

Beispiel:

In der Ausschreibungsphase bieten drei Dienstleister an, die in die engere Auswahl kommen, natürlich zum Festpreis. Dienstleister A geht mit einem Angebot von 2 Mio € ins Rennen, Dienstleister B mit 2,2 Mio € und Dienstleister C mit 3 Mio €. Dienstleister D ist bereits rausgeflogen, er hatte für 4 Mio € angeboten. Die Entscheidung fällt letztendlich auf Anbieter C für 3 Mio €, also die Mitte. Man möchte ja später nicht den Vorwurf hören, man hätte doch gleich den kompetenteren und seriöseren Anbieter nehmen sollen, der natürlich ein wenig mehr kostet. Trotz allem stellt sich heraus, dass das Projekt unterschätzt wurde. Unter dem Strich wird das Projekt 3-4 Mal verlängert, die IT hat einen Haufen Ärger mit dem Projekt, die ursprünglich versprochenen Funktionen wurden stark abgespeckt und man musste nocheinmal draufschlagen. Der externe Dienstleister kassierte letztendlich 5 Mio € und inkl. aller intern gebundenen Ressourcen, nochmaligen Hardware-Resizing etc. kostete das Projekt dann 9 Mio €, anstatt den ursprünglich geplanten 3 Mio €. Und richtig stabil läuft die Software immer noch nicht, zu schweigen von den fehlenden Funktionen die ursprünglich angefordert wurden.

Die Lösung

Liebe geplagte CIOs, ich biete Ihnen folgenden Deal an: Ich biete gegen jeden Konkurrenten zum halben Preis. Anstatt dem Dienstleister C 3 Mio € in den Rachen zu werfen, biete ich für 1,5 Mio € an. Was sie dafür bekommen? Ganz einfach: Nichts. Dafür haben Sie aber unter dem Strich 7,5 Mio € gespart! Sie haben keinen Ärger, wir bleiben In-Time, Under-Budget und wir sind beide glücklich. Denn jeder weiß von Anfang an ganz genau was er bekommt und was nicht. Keine Tricks und kein doppelter Boden. Ich bekomme in obigen Beispiel 1,5 Mio € und Sie einfach Nichts und Sie sparen trotzdem noch dabei.

Spass bei Seite

Woran liegt es, dass Software-Projekte so oft scheitern? Nun, so schwer ist es nicht. Ein Eine Million oder ein Jahrgrundlegender Fehler ist, dass viele Unternehmen mit einer vollkommen falschen Haltung an das Thema herangehen, nämlich der Vorstellung, Software lässt sich wie ein Auto herstellen. Das dies nicht so ist, hat auch Claude Roeltgen, CIO von Credit Suisse, festgestellt. In seinem neuen Buch “Eine Million oder ein Jahr” hält er fest:

“IT ist kein Auto, in das man sich hineinsetzt, den Zündschlüssel umdreht und Gas gibt”


Einer der wichtigsten Punkte, aus kybernetischer Sicht, ist, dass ein Auto während seines Produktlebenszyklus nicht solchen starken Veränderungen wie Software unterliegt. Hier und dort ein wenig Verschleiß, ein paar Reparaturen. Nicht aber funktionale und strukturelle Veränderungen wie bei Software. Der Software mit all seinen Nebeneffekten entspricht eher einem autopoietischen System. Software ist daher eher etwas wie ein Organismus, welche sich an seinen Umweltbedingungen, z.B. den Marktbedingungen permanent anpasst. Derzeit arbeite ich deshalb mit Ralf Westphal an einem Dialog, welcher die Zusammenhänge etwas einfacher darstellt.

Ich behaupte deshalb: Solange sich nicht grundlegend etwas an der Haltung zum Thema Software ändert und solange man nicht versteht, dass Industrialisierungsprozesse wie z.B. Fertigungsprozesse für Autos nicht auf die Entwicklung von Software übertragen werden können, werden weiterhin Millionen von Euros verbrannt.


Ein paar Links zum Thema:

Software als autopoietische Entität
Das Datenbankenland, Unternehmenspolitik und Software
Evolutionäre Organisationsstrukturen
Kybernetisches IT-Value-Management
Kybernetik im IT-Management
Projektstrukturen, Konzenstrukturen, Kybernetische Strukturen

Nachtrag (03. November 2006)
Die Kybernetik hat wieder einmal durch Rückkopplung gewirkt. Claude Roelten hat mich gerade via E-Mail kontaktiert. Daraufhin bin ich auf Seine Seite zum Buch aufmerksam geworden:

http://www.einemillionodereinjahr.info
sowie eine Veröffentlichung im Luxemburger Wort, diesen Artikel kann man hier herunterladen.