Sa 8 Dez 2007
Komplexität im Zeitalter der Informationsgesellschaft
Posted by andreas.mertens under IT, Kybernetik
[4] Comments
Ohne jetzt auf den Begriffen Informationsgesellschaft oder Wissensgesellschaft herumreiten zu wollen, fallen mir immer wieder “Unanehmlichkeiten” für den Endanwender auf, die – so meine Vermutung – durch die steigende Komplexität resultiert. Hier ein paar Beispiele:
- Der Wechsel des DSL-Kommunikationsproviders ist in Deutschland ein Drama. Politische/Wirtschaftliche Kämpfe werden hier auf dem Rücken des Kunden ausgetragen. Dabei hat schon ein einzelner Callcenter-Agent über den Tellerrand seines Prozessabschnittes keinen Dunst. In Konsequenz leidet der Kunde, wenn es, wie so oft, über diesen Tellerrand hinausgeht! Man glaubt, die Komplexität durch die Trivialisierung der Menschen in den Griff zu bekommen.
- Ein Tarifwechsel innerhalb ein und desselben Telekommunikationsprovider für mobile Dienste, kann ein ähnliches Drama sein.
- Ein superteures Telekommunikations-Endgerät wie das Nokia E90 für über €400,- hat erhebliche Macken wie (a) eine nicht akzeptable Umsetzung einer GPS-Lösung, (b) keine Warnmeldung, wenn der Akuu fast leer ist, (c) ein Eintrag aus dem Telefonbuch lässt sich nicht mit einem Kalendereintrag koppeln usw. usf.
Das ist schon erstaunlich, was da so alles möglich – oder eben nicht möglich – ist. Auf der anderen Seite auch wieder nicht, denn wir entwickeln fortwährend Technik mit Technik weiter. Also heißt das, Technik wird mit Technik weiter entwickelt. Oder: Bestehende Technik fließt in neue Technik ein. Das ist ein kybernetisch rückgekoppelter Prozess und dieser verläuft in seiner Natur nicht linear sonder exponentiell, wegen der Rückkoppelung!
Mir scheint, dass deshalb auch immer schneller neue Dinge entstehen, sodaß man kaum noch mehr mithalten kann, man muss sich sozusagen auf eine “Metaebene” begeben, um überhaupt noch mitzukommen. Die Frage ist, ob das nicht irgendwann einmal dazu führt, dass das System kollabiert und kippt?
Auch wenn uns Filme wie “Die Matrix” oder Bücher wie “Otherland” sicher auf die Zukunft mit den Neuen Medien vorbereiten wollen, geht das Ganze doch eine Ecke schneller voran als die Analogie mit 1984 von Orwell und den heutigen Stand der Informationstechnologie !!!
Auch der kolportierte Abschwung von Second Life, angestoßen durch die normale Presse, erzeugt nur scheinbar eine Entschleunigung des aktuellen Prozesses … Wie das wohl alles weitergeht?

Dezember 8th, 2007 at 18:09
Ihre Fragen sind berechtigt. Aber kollabieren wird das “System” vermutlich nicht: Ich denke eher, dass es ausgebremst wird, weil sich die Menschen in einer natürlichen Abwehrreaktion irgendwann gegen zuviel Neues wehren und die Dinge einfach nicht mehr annehmen.
Wenn wir ehrlich sind, ist es heute schon so: Teilsysteme unserer Gesellschaft wehren sich etwa gegen das Internet und ignorieren es so gut es geht (Politik, Zeitungen und Fernsehsender, weite Teile der Werbebranche und auch teilweise die Industrie).
Die “Matrix” als Zukunftsvision schafft eben nicht nur Gewinner, sondern auch Verlierer. In einem englischsprachigen Blog las ich dazu neulich den Gedanken, dass Unternehmen, so weit sie vom Fortschritt (und der Beschleunigung) weiter profitieren wollen, dies künftig nur noch werden tun können, wenn sie für ihre Kunden einen echten Nutzwert schaffen, so dass Win-Win-Situation entstehen.
Dies ist heute ja eindeutig nicht gegeben, wenn man etwa seinen DSL-Anschluss nicht ohne Weiteres wechseln kann oder ein neues Handy in seinen Funktionalitäten schlampig ausgeführt ist.
Dezember 10th, 2007 at 08:24
“Wie das wohl alles weitergeht?”
Na, immer weiter ableiten.
Dezember 11th, 2007 at 07:38
Interessant ist es auch zu sehen was alles möglich ist bzw. wäre und was dann tatsächlich nur genutzt wird.
Wenn ich mir nur mal anschaue, was mit einem subventionierten 1-Euro Mobiltelefon wie dem Nokia 6280 möglich ist wenn man einen Datentarif mit drauf hat. Vom Funktionsumfang kommt man dann mit webbasierten Werkzeugen schon nah an einen Blackberry ran.
Allerdings ist die Hemmschwelle dort auch der Lern- und Einrichtungsaufwand für viele Leute.
Und noch was zum Thema Komplexität: die ist ja in vielen Fällen Absicht um es dem Verbraucher schwer zu machen Dinge überhaupt noch vergleichen zu können…
Dezember 12th, 2007 at 21:39
Habe mich gerade über die RMV aufgeregt! Dein Artikel passte genau zu meiner Überzeugung, dass technische Vorgänge scheinbar immer komplexer werden. Ob das im Sinne der Kunden ist, kann fast nicht mehr beurtielt werden…