In dem berühmten Glasperlenspiel von Hermann Hesse steigt Josef Knecht im Orden von Kastalien zum Glasperlenspieler auf. Mir scheint, dass das Werk auch voller formtheoretischen Denken steckt. Dies ist mir heute aufgefallen an folgender Textpassage im achten Kapitel. Der Meister spricht zu Josef Knecht:
Die strengen Fachwissenschaftler verachten es – und auch manche Musiker tun es, denn ihm fehle jener Grad der Strenge in der Disziplin, den die Einzelwissenschaften erreichen können. Nun gut, Du wirst diese Gegensätze kennen lernen und wirst mit der Zeit entdecken, dass es nicht Gegensätze der Objekte sind, sondern der Subjekte. Denn in Wirklichkeit, dass heißt in den großen Seelen und überlegenen Geistern, gibt es diese Leidenschaft nicht. Jeder von uns ist nur ein Mensch, nur ein Versuch und unterwegs. Er soll aber dorthin unterwegs sein wo das Vollkommene ist, er soll ins Zentrum streben, nicht an die Pheripherie.
Merke Dir: Man kann strenge Logiker oder Grammatiker, und dabei voll Phantasie und Musik sein. Man kann Musikant oder Glasperlenspieler und dabei ganz Hingabe an Gesetz und Ordnung sein. Der Mensch den wir meinen und wollen, der zu werden unser Ziel ist, würde jeden Tag seine Wissenschaft oder Kunst mit jeder anderen tauschen können. Er würde im Glasperlenspiel die kirstallenste Logik aufstrahlen lassen und in der Grammatik die schöpferischste Phantasie. So sollten wir sein, man sollte uns zu jeder Stunde auf einen anderen Posten stellen können, ohne das wir uns dagegen streuben und verwirren lassen.
… die Gegensätze der Subjekte … drückt für mich neben einem konstruktivistischen Ansatz auch aus und das die Subjekte zwei Seiten einer Unterscheidung im Spencer-Brownschen Sinne sind und es darauf ankommt auf welcher Seite ich stehe, bzw. welche Seite gerade markiert ist …
Außerdem wäre es zu schön, wenn alle Menschen Glasperlenspieler wären, denn dann wären die aktuellen Diksussionen über die Schließung des Nokia-Standortes in Bochum obsolet:
So sollten wir sein, man sollte uns zu jeder Stunde auf einen anderen Posten stellen können, ohne das wir uns dagegen streuben und verwirren lassen.
Was aber wäre dann mit dem Expertentum und mit unserem Trivialisierungsanstalten (Schulen) im Sinne HvF?