Wort-Spiele


Hoppla, bist Du zu-fällig auf diesen Artikel gestossen? War diese Seite verlinked und Du bist zu-fällig auf diese Seite gestossen? Oder kennen wir uns und Du dachtest Dir “zu-fällig”: “Ach heute schaue ich mal was Andreas zu schreiben hat”. Oder hast Du gezielt nach Zufall im Netz geschaut und Du bist mehr oder weniger zu-fällig hier gelandet? Rein zufällig handelt dieser Beitrag vom Zu-Fall.

“Zu-fällig” traf ich vor einigen Jahren bei Walter’s Futterkrippe eine alte Studienkollegin. Sie arbeite damals bei IBM und fragte mich was ich derzeit tat. “Zu-fällig” war ich damals gerade mit dem Studium fertig und so kam es, das ich “zu-fällig” bei IBM als Consultant anfing. Als ich damals hungrig den Imbiss ansteuerte war ich nicht in der Lage vorherzusagen, das ich eine Studienkollegin treffe. Zufall (siehe auch Wikipedia) eben. Aber ich weiss noch warum ich gerade diesen Imbiss ansteuerte. Ich kenne den Stand schon seit meiner Kindheit. Welch Zufall (!).

Zu-fällig berichte mir Sedat vor einiger Zeit von Monika, welche die letzten Lebensjahre von HvF begleitete. Ganz “zu-fällig” “pingte” mich kurz danach Monika über openBC an.

Rein mathematisch betrachtet man den Zufall ja gerne über die Gleichverteilung: Die Wahrscheinlichkeit für jede Zahl auf dem Würfel ist gleichgroß, nämlich 1/6. Wie ist da aber die Erfahrung in der suWürfelbjektiven Wirklichkeit? Wie ist das mit dem Pechvogel, der meist niedrige Zahlen würfelt, wenn es darauf ankommt, möglichst hohe Zahlen zu erreichen? Und wie ist das mit den Leuten die permanent auf Erfolgskurs sind, und denen Eins nach dem Anderen gelingt? Neulich erzählte mir ein Mitarbeiter bei meinem derzeitigen Klienten, das er von der jährlichen Tombola ausgeschlossen sei, weil er drei Jahre in Folge den Hauptgewinn abgesahnt hat (!). Wie ist das jetzt mit dem Würfel in der Wirklichkeit? Ist die Wahrscheinlichkeit für jede Zahl auf dem Würfel gleichgoß? Ich glaube auf dem Papier, theoretisch, vielleicht ja, aber in der Praxis nicht. Durch die Materialbeschaffenheit des Würfels sind ja schon nicht für jede Zahl (von der Oberfläche des Würfels betrachtet) die gleichen Bedingungen gegeben. Da spielt physikalisch doch schon die Dichteverteilung des Würfels eine Rolle, die Reibung und wer wie würfelt. Also vorausgesetzt, unter Laborbedigungen, das da “alles stimmt” (mit der Oberfläche/Physik etc., wie gewürfelt wird, …) und man das Gesetz der großen Zahlen einhält, dann erscheinen die Zahlen gleichverteilt mit einer Wahrscheinlichkeit von 1/6 für jede Zahl auf dem Würfel. Das ist schön (oder auch nicht, da zu langweilig), aber irgendwie ist das schwer übertragbar auf die Praxis.

Interessant wird es, wenn es darum geht, Zufallszahlen algorithmisch zu erzeugen. Es ist ein bekanntes Problem aus der Praxis, algorithmisch “gute” Zufallszahlen zu erzeugen. Also Zahlen zu erzeugen, die nicht vorhersehbar sind. So ist z.B. jede Programmlibrary mit einem Algorithmus ausgestattet, der Pseudozufall erzeugt. Man initialisiert den Zufallsgenerator der Programmlibrary mit einem sog. Seed-Wert. Danach fragt man den Zufallsgenerator immer nur noch nach der nächsten (Pseudo)zufallszahl mit einer Funktion “Liefere mir die nächste Zahl”. Das Problem ist nur, das der Generator beide Male die gleiche Zahlenfolge liefert, wenn man zweimal hintereinander den Pseudozufallsgenerator mit dem selben Seed-Wert initialisiert. Bei der Computersicherheit, z.B. beim Erzeugen von Schlüsseln reicht dieser Zufall nicht aus, deshalb “öffnet” sich oft das deterministische Computersystem über die Schnittstelle nach außen. Es veranlasst den Benutzer Entropie zu erzeugen, indem er z.B. die Maus bewegen soll. Diese nichtdeteZufallsgeneratorrministische Mausbewegungen werden dann verwendet, um bessere Zufallszahlen für die Erzeugung von Schlüsseln zu generieren. Gute Zufallsgeneratoren erzeugen Zufallszahlen durch das digitalisieren von analogen Rauschen, wie die Zufallsgeneratoren von Frank Bergmann. Meiner Meinung nach muss guter Zufall mit der Umwelt interagieren, da Alles mit Allem auf irgendeinweise zusammenhängt, kommuniziert, agiert. Es muss also eine Vorrichtung sein, die nicht in sich abgeschlossen ist und Zahlen produziert. Der Würfel, wenn man ihn würfelt, “agiert” ja auch mit seiner Umwelt während des Prozess des Fallens. Und so geschah es rein zufällig….

2003 oder 2004 las ich “zu-fällig” einen Aushang an der Fachhochschule Wiesbaden, das ein gewisser Herr Dr. Trapp Unterstützung suche für seinen persönlichen Internetauftritt. Der Aushang bestand aus einem handgeschriebenen Fax, wenn ich mich recht errinnere. Als wir, Sedat und ich, den Herrn kennenlernten “funkte” etwas zwischen uns und wir kamen schnell vom Thema “persönlichen Internetauftritt” ab. Stattdessen schweiften wir in eine tiefe philosophische Runde ab, über Gott und die Welt, über Kommunikation, Kybernetik, Erzeugnissstrukturiertes Projektmanagement, Handeln im Hier und Jetzt, und und und …. Zufällig erzählte uns Dietrich dann irgendwann einmal etwas von einem alten AufPatentblatt JPGtrag im Bereich Personalentwicklung, und wie er die Führungskräfte auf unvorhersehbare Ereignisse in der Wirklichkeit trainierte. Er brachte die Führungskräfte also weg vom starren planen bis ins letzte Detail, sondern trainierte Sie auf das Handeln im Hier und Jetzt, Intuition fördern. Kurz: Er nahm Ihnen die Illusion alles absolut kontrollieren bzw. planen zu können. Aus dieser Runde heraus ersponnen wir in unseren Köpfen eine Maschine für die Erzeugung kybernetischer Zufallsereignisse. Ganz rein “zu-fällig” führte ich in etwa dieser Zeit ein längeres Training und Coaching durch. Ich konnte damals das Training so gestalten, das u.a. der erste Software-Prototyp für unsere Erfindung dabei herauskam. Unsere Maschine lässt sich vielleicht am einfachsten so beschreiben:

Die kybernetische Zufallsmaschine erzeugt kybernetische Zufallsereignisse, indem sie für die Erzeugung von nicht vorhersehbaren Ereignissen keine statistische Gleichverteilung einsetzt sondern den Zufall aus der Interaktion mit seiner Umwelt erzeugt. Er interagiert zwischen System und Systemumwelt und besteht aus einer Sensorik, Eingabevektoren und ein oder mehreren Matrizen sowie ein oder mehreren Regelwerken. Durch die Interaktion zwischen System und Systemumwelt wird eine Rückkopplungsschleife “eingebaut” – deshalb kybernetische Zufallsereignisse.

Tja, dann war es ungefähr Oktober 2004 und wir reichten die Erfindung über unsere Anwälte beim Deutschen Patent und Markenamt (dpma) ein. Was lange währt wird endlich gut (!). Am 29.06.2006 war die Offenlegung unseres Patentes unter dem Aktenzeichen DE 10 2004 060 639 A1 2006.06.29. Und so kam ich “zu-fällig” :-) zu meinem ersten Patent. Erste Applikationen die unseren Zufall nutzen sind in Mache, und zwar in den Bereichen Management, Wellness, Unterhaltungsindustrie, … Mehr dazu, wenn die Sachen spruchreif sind ….

Achja, das Wort Zufall kommt vom Verb zufallen >>zuteil werden<< (mhd. zuovallen). Mhd. zuovallen bedeutete zunächst >>das, was jemanden zufällt, zuteil wird, zustößt<< ... (aus dem Duden Herkunftswörterbuch).

 

… so sehr mich dieser Spruch auch immer wieder beschäftigte … irgendetwas stimmte daran nicht. Für mich sagte der Spruch nämlich immer aus, das ich bei dem bleiben soll was ich tue, übersetzt: Andreas
bleib’ bei Deinen Kernkompetenzen und mische nicht dort und hier mit, tanze nicht auf so vielen “Hochzeiten”. Da rebellierte allerdings schon immer etwas ganz tief in mir (!) Das kann doch nicht sein! Schließlich verändert sich permanent etwas. Ich verändere mich mit und in jeder Sekunde (!) Wieso dann bei “alten Leisten (Kompetenzen)” bleiben? Schließlich lerne ich ja auch ständig hinzu! Soll ich das nicht auch anwenden? Achja, dazulernen, aber in seinem Gebiet bleiben? Aber was soll mein Gebiet sein? Telekommunikation? Informatik? Psychologie? Soziologie? Philosophie? Wo ist die Grenze? Das definiere ich doch selbst (!) Also mit dem Spruch konnte ich lange nicLeistenhts angfangen. Bis zu dem Zeitpunkt, als es ein gewaltiges “Reframing” des Spruches gab und das war so …. In einem Urlaub in Norddeutschland vor einigen Jahren besuchten wir eine alte Windmühle in der es Allerlei zu
besichtigen gab: altes Handwerk wie das Töpfern, das Schreinern und … “das Schustern”. Ja, da saß doch in der Mühle ein “Urgestein” von Schuster. Ich bin natürlich gleich hin und schaute ihm zu und da sprach es aus meinem Munde zu dem Schuster: “Schuster bleib’ bei deinen Leisten”. Der Schuster schaute auf zu mir und sprach: “Und weiter?”. Ich: “Wie, weiter?” Der Schuster: “Der Satz geht weiter”. Ich: “Wie, der Satz geht weiter, er ist unvollständig? Wie geht er weiter?” Der
Schuster: “Schuster bleib bei deinen Leisten, schöne Frauen sind teuer“. Von da an ergab der Satz endlich Sinn für mich. Danke lieber unbekannter Schuster aus meinem Urlaub!

Irgendwie gefiel mir das Wort “ErzieherInn” noch nie. Was ziehen die Er-Zieher im Kindergarten an meinem Kind? Ein Blick in mein Herkunftswörterbuch bringt folgendes unter “ziehen, erziehen” zu Tage :

>> zu etwas anleiten, jemandes Geist und Charakter bilden und seine Entwicklung fördern <<.

Das beschreibt schon besser mein Bild von einem Menschen der ein Kind begleitet, es fördert, es im Identfindungsprozess und Eltern-Lösungsprozess unterstützt. Leider, so glaube ich, wird oft das “Ziehen” falsch verstanden (an den Ohren ziehen ist da so eine unangenehme Assoziation die in mir aufsteigt). Eine richtige gute Analogie zum Er-Ziehen findet man auf dem Schloss Freundenberg in Wiesbaden, wo man das Erfahrungsfeld der Sinne erleben kann. Dort wird folgendes “Experiment” geschildert (“Der Stein-Pendel, Außenbereich).

An einem Seil hängt ein Stein (Felsbrocken), den nicht mal ein starker Mann anheben kann. Nun wird ein hauchdünner Faden an diesem Stein befestigt. Mit einem ganz zartem Ziehen und wieder Loslassen an diesem Faden soll nun der schwere Stein zum Schwingen gebracht werden. Und zwar so, das er mind. 1 Meter pendelt. So soll es auch mit dem Er-Ziehen sein: ganz leicht und vorsichtig ziehen und im richtigen Moment loslassen, sodaß der Faden nicht reißt ! Angeblich machen dies LeherInnen und Pädagogen in der Schweiz, bevor Sie Kinder “er-ziehen” dürfen.

Vielleicht sollte man diese “Aufnahmeprüfung” in Deutschland auch einführen ????